Erinnerungen – jetzt wissen wir noch ein bisschen genauer wie sie gespeichert und abgerufen werden

Neues aus der Forschung

Auch wenn es Versuche an Mäusen sind: jetzt wissen wir noch ein bisschen genauer wie Erinnerungen gespeichert und abgerufen werden. Zum einen war bisher nicht bekannt, dass ein Erlebnis gleichzeitig in verschiedenen Hirnarealen gespeichert wird: im Hippocampus, wo es normalerweise sofort abrufbar ist, in sogenannten „Engrammzellen“ im präfrontalen Kortex, wo es erst nach ca. 12 Tagen zugänglich wird, sowie in einem Teil der Amygdala, wo die emotionale „Färbung“ assoziiert wird. Bisher war vermutet worden, dass erst ein Transfer vom Hippocampus in das Langzeitgedächtnis Großhirnarreale belegt. Auch wenn eine retrograde Amnesie vorliegt, nach bisheriger Erkenntnis also der Hippocampus „dicht macht“, ist die Erinnerung nicht verloren, sondern kann z.B. im Labor durch Lichtstimulierung der entsprechenden Zellen im Gehirn aufgerufen werden. Auch wenn wir etwas nicht erinnern können, ist es also nicht weg. Das bestätigt Erfahrungen aus der Traumatherapie, in der oft genug verloren geglaubte Erinnerungen wieder auftauchen – ohne Optogenetik, also direkte Lichteinwirkung auf die Zellen. Es ist auch klar geworden, dass beim Gedächtnis-aufruf die emotionale Assoziation in der Amygdala veränderbar ist, wenn beim Aufruf eine andere Erfahrung gemacht wird (die Amygdala ist nicht nur bei Angst & Schrecken beteiligt, sondern auch bei „positiven“ Emotionen!). Gute Nachrichten für die Traumatherapie, auch wenn es teilweise nur neurowissenschaftliche Bestätigungen für schon Erfahrenes und Vermutetes sind. (Rodolf Müller-Schwefe) Quellen: http://news.mit.edu/2017/neuroscientists-build-case-new-theory-memory-formation-1023 http://news.mit.edu/2015/optogenetics-find-lost-memories-0528 http://news.mit.edu/2014/brain-circuit-links-emotion-memory-0827 http://de.psy.co/mit-wissenschaftler-identifizieren-gehirn-schaltkreise-der-gedchtnisbildung.html