Rekonsolidierung traumatisierender Gedächtnisinhalte

Rekonsolidierung traumatisierender Gedächtnisinhalte propranolol
Neueres aus der Forschung:
Wie Forschung dabei helfen kann, die Rekonsolidierung traumatisierender Gedächtnisinhalte zu verstehen und Möglichkeiten einer Neu-Verarbeitung aufzuzeigen und zu präzisieren. Rekonsolidierung traumatisierender Gedächtnisinhalte Wie grundlegende Forschung über Gedächtnisprozesse therapeutischer Arbeit helfen kann, zeigt schon das vorgestellte Buch „Der Schlüssel zum emotionalen Gehirn“. Noch Genaueres erfährt man besonders durch die Arbeiten von Merel Kindt und Kollegen. Sie konnten in den letzten Jahren für angstbesetzte Erinnerungen zeigen, dass der Aufruf einer solchen Erinnerung diese im Gehirn chemisch in einen „labilen Zustand“ versetzt und sie dann wieder durch eine neuerliche Eiweißsynthese re-konsolidiert wird. Die „labile Phase“ eröffnet nun die Möglichkeit zur Veränderung, wenn nämlich durch einen Voraussage-Irrtum (prediction error) während der Erinnerung etwas Neues passiert, man eine andere Erfahrung als die erwartete macht, also mit der Erinnerung z.B. nicht die erwartete Angst und Erregung eintritt, sondern eine Beruhigung, Erleichterung o.ä. Kindt konnte so auch bei PTBS-Betroffenen demonstrieren, dass die einmalige Gabe eines Betablockers (Propranolol) in der labilen Phase die Erregung schnell dämpft, vermutlich die übliche Eiweißsynthese stört und damit die Erinnerung nachhaltig verändert. Wenn nun nach 12 Stunden und später die Erinnerung aufgerufen wird, geschieht dies ohne die vorherige Erregung, Angst oder Panik. Das Zeitfenster dieser labilen Phase mit dem Erleben eines Voraussage-Irrtums oder einer Diskrepanzerfahrung zu nutzen ist nun genau die Aufgabe einer Traumatherapie, die helfen möchte, Erinnerungen nicht zu „überschreiben“, sondern neu zu verarbeiten. Das kann auch geschehen, wenn statt der Gabe eines Betablockers mit dem Erinnerungsaufruf bilaterale Stimulationen (wie in der EMDR-Therapie) oder starke sensorische Erlebnisse im Hier & Jetzt verbunden werden, wie Martin Bohus gezeigt hat (DBT-Therapie). (Text: Von Rudolf Müller-Schwefe) Literatur dazu z.B.: Merel Kindt and Arnold van Emmerik, New avenues for treating emotional memory disorders: towards a reconsolidation intervention for posttraumatic stress disorder Article in Therapeutic Advances in Psychopharmacology · May 2016 New Republic, May 2, 2016 The Cure For Fear – Scientists have discovered a radical new way to treat our most traumaticmemories. BY BEN CRAIR Vortrag von Merel Kindt (englisch) Vortrag Martin Bohus (deutsch)